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Peter Neuhold | Praxiswissen | Fachbeitrag

Arbeiten auf Dächern

Arbeiten auf Dächern

Dacharbeiten sind in der Baubranche jene Arbeiten, die von ArbeitgeberInnen mit größter Sorgfalt geplant werden müssen. Nur eine entsprechend gute sicherheitstechnische Arbeitsvorbereitung hat den stärksten Einfluss auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der ArbeitnehmerInnen.

Im 11. Abschnitt „Arbeiten auf Dächern“ der Bauarbeiterschutzverordnung (BauV) sind die gesetzlichen Bestimmungen für den Schutz und der Sicherheit von ArbeitnehmerInnen für das Arbeiten auf ebenen und geneigten Dachflächen festgelegt.

Bauarbeiten auf Dächern sind Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit der Errichtung oder dem Umbau/Reparatur des Daches erfolgen, wobei das Dach im Sinne des ArbeitnehmerInnenschutzes der oberste, flächenbildende, abschließende Bauteil einer baulichen Anlage mit einer Neigung < 90° ist und primär dem Schutz vor Witterungseinflüssen, wie Schnee, Regen, Wind und Sonne dient.

Zu den Arbeiten auf Dächern zählen im Wesentlichen jene Tätigkeiten, die erforderlich sind, um auf einer statisch tragfähigen Unterkonstruktion (Dachtragwerk) die Dachhaut (= Dachdeckung bzw Dachabdichtung inkl Unterbau, wie Schalung, Unterspannbahnen, Dämmung; Lattung usw) inklusive der Folgearbeiten, wie Spenglerarbeiten, Anbringen des Blitzschutzes, Einbau von Lichtkuppeln usw herzustellen.

Zur Sicherstellung einer ausreichenden Schutzwirkung gegen Absturz muss bereits in der Planungsphase von Dacharbeiten die Wahl der Schutzeinrichtung derart getroffen werden, dass nur solche Einrichtungen verwendet werden, die nur einmal errichtet werden müssen und für alle durchzuführende Arbeiten die erforderliche Schutzwirkung bieten. Es soll dadurch vermieden werden, dass durch ein häufiges Versetzens der Schutzeinrichtungen während des Arbeitsfortschrittes zusätzliche Gefahrenmomente erzeugt werden. Alternativ bzw als Ergänzung wäre auch der Einsatz geeigneter Arbeitsmittel wie Hubsteiger oder Hubarbeitsbühnen für Arbeitsplätze an erhöhten Strandorten zu planen.

Maßnahmen gegen Absturz

Grundsätzlich besteht Absturzgefahr auf Baustellen an erhöhten Standflächen, Verkehrswegen und Arbeitsplätzen bei einer Absturzhöhe von mehr als 2,00 m. Das bedeutet, dass ab 2,00 m Absturzhöhe Maßnahmen gem § 8, § 9 und § 10 BauV gegen Absturz vorzunehmen sind. Unter der Voraussetzung günstiger Witterungsverhältnissen sowie unterwiesener, erfahrener und körperlich geeigneten Arbeitnehmer/innen sind bei Arbeiten auf Dächern (§ 87 BauV) erst ab 3,00 m entsprechende Maßnahmen wie Absturzsicherungen, Abgrenzungen und Schutzeinrichtungen oder persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz je nach Neigung des Daches vorzunehmen. Die Rangfolge der Maßnahmen gegen Absturz ergibt sich wiederum aus dem TOP-Prinzip (zuerst technische, dann organisatorische und erst danach personenbezogene Maßnahmen).

Die Absturzhöhe wird lotrecht gemessen bei:

  1. Dachneigungen bis einschließlich 45° von der Traufenkante bis zur Auftrefffläche
  2. Dachneigungen von mehr als 45° vom Arbeitsplatz auf dem Dach bis zur Auftrefffläche

Bei Arbeiten am Dachsaum und bei Dachneigungen von mehr als 45° ist jedoch schon ab 2,00 m Absturzhöhe zumindest persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz zu verwenden.

Generell sind bei Dachneigungen bis 20° (§ 87 Abs 2 BauV) entweder Umwehrungen (Geländer) mit Brust-, Mittel- und Fußwehren gem § 8 BauV, Abgrenzungen mit Brustwehren in mindestens 1,00 m und höchstens 1,20 m Höhe über den Arbeitsplätzen oder Verkehrswegen gem § 9 BauV oder Schutzeinrichtungen zum Auffangen von abstürzenden Personen und Materialien wie Fanggerüste (§ 59 BauV) oder Auffangnetze anzubringen. Die besonderen Merkmale der Gerüstlagen von Fanggerüsten, die an das bestehende Bauwerk möglichst dicht anschließen müssen, sind die an der Außenseite angebrachte mindestens 50 cm hohe Blende und der Nachweis der Widerstandsfähigkeit unter Berücksichtigung einer dynamischer Belastungen (Drop-Test). Es soll jedoch darauf hingewiesen werden, dass grundsätzlich gem § 7 AschG „Grundsätze der Gefahrenverhütung“ bei Flachdächern durch Anbringen von Umwehrungen der Absturz gänzlich vermieden werden soll.

Bei Arbeiten auf Dächern mit mehr als 20° Dachneigung (§ 87 Abs 3 BauV) müssen prinzipiell geeignete Schutzeinrichtungen wie Dachfanggerüste oder Dachschutzblenden gem § 88 BauV vorhanden sein. Dachfanggerüste gem § 88 Abs 3 BauV sind nur bei geneigten Dächern > 20° und mehr als 3,00 m Absturzhöhe zwingend mit einer mindestens 1,00 m hohen tragfähigen Schutzwand auszuführen. Da bei stark geneigten Flächen bei einem etwaigen Absturz mit einer starken Roll/Gleitbewegung des/der Verunfallten in Richtung der Umwehrung (Seitenschutz) zu rechnen ist, muss die horizontale Kraftkomponente vom Gerüst absorbiert werden. Die Schutzwände von Dachfanggerüsten oder Dachschutzblenden müssen aus Brettern oder aus Netzen mit einer Maschenweite von nicht mehr als 10 cm bestehen.

Als Regel der Technik für Schutznetze sind die ÖNORM EN 1263 Teil 1 und Teil 2 „Temporäre Konstruktionen für Bauwerke ― Schutznetze (Sicherheitsnetze)“ Ausgabe: 2015-02-01 anzusehen.

Betont wird nochmals, dass bei Arbeiten auf Dächern mit einer Neigung von mehr als 45° die Arbeitnehmer zusätzlich zu den erforderlichen Schutzeinrichtungen durch geeignete persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz zu sichern sind.

Ausnahme von kollektiven Schutzmaßnahmen
Auf kollektive Schutzmaßnahmen kann bei Arbeiten auf Dächern verzichtet werden – sofern die Evaluierung nach § 4 ASchG nichts anderes ergibt – bei

  1. geringfügigen Arbeiten, wie Reparatur- oder Anstricharbeiten, die nicht länger als einen Tag dauern (§ 87 Abs 5 Z 1 BauV) oder
  2. bei Arbeiten am Dachsaum, wenn nicht gleichzeitig oder aufeinanderfolgend auch an der Dachfläche Arbeiten durchgeführt werden, sowie bei Arbeiten im Giebelbereich (§ 87 Abs 5 Z 2 BauV), oder
  3. wenn die Prüfung des personellen/zeitlichen Aufwandes für die kollektiven Schutzmaßnahmen ergibt, dass dieser unverhältnismäßig hoch gegenüber dem Aufwand für die durchzuführende Arbeit ist (§ 7 Abs 4 BauV).

Regeln der Technik

Zusätzlich zu den Bestimmungen der BauV werden die Ausführungen und Bemessungen von Umwehrungen, Fanggerüsten oder Dachfanggerüsten durch technische Details in den NORMEN ergänzt. Beispielsweise werden die Umwehrungen in der ÖNORM EN 13374 Ausgabe: 2013-06-15 „Temporäre Seitenschutzsysteme“ bzw Fang- und Dachfanggerüste in der ÖNORM B 4007 Ausgabe: 2015-12-15 „Gerüste“ näher bestimmt.

In der ÖNORM EN 13374 werden 3 Seitenschutzsysteme klassifiziert.

Schutzklasse A entspricht einer Auslegung bei der lediglich der Widerstand gegenüber statischen Lasten gewährt ist, denen folgende Anforderungen zugrunde liegen:

  • Stützung einer Person, die sich an den Seitenschutz anlehnt, oder beim Laufen entlang des Seitenschutzes mit den Händen festhält; und
  • kollektiv wirkendes Zurückhalten einer Person, die gegen den Seitenschutz läuft oder fällt.

Schutzklasse B entspricht einer Auslegung bei der lediglich der Widerstand gegenüber statischen Lasten und geringen dynamischen Einwirkungen gewährt ist, denen folgende Anforderungen zu Grunde liegen:

  • Stützung einer Person, die sich an den Seitenschutz anlehnt oder beim Laufen entlang des Seitenschutzes mit den Händen festhält und
  • kollektiv wirkendes Zurückhalten einer Person, die gegen den Seitenschutz läuft oder fällt;
  • kollektiv wirkendes Zurückhalten einer Person, die auf einer geneigten Fläche abgleitet/fällt

Schutzklasse C ist basierend auf der folgenden Anforderung so ausgelegt, dass sie großen dynamischen Einwirkungen standhält, um den Fall einer auf einer stark geneigten Oberfläche abrutschenden Person aufzuhalten:

  • kollektiv wirkendes Zurückhalten einer Person, die auf einer stark geneigten Fläche abgleitet/fällt

Die ÖNORM EN 13374 legt zusätzlich Einsatzgrenzen für die Klassen in Abhängigkeit vom Neigungswinkel der Arbeitsfläche zur Horizontalen und von der möglichen Absturzhöhe fest.

Klasse A darf angewendet werden, wenn der Neigungswinkel kleiner 10° ist.

Klasse B darf angewendet werden, wenn der Neigungswinkel kleiner ist als

  • 30° ohne Begrenzung der Absturzhöhe oder
  • 60° und bei einer Absturzhöhe unter 2 m.

Klasse C darf angewendet werden, wenn der Neigungswinkel zwischen

  • 30° und 45° liegt ohne Begrenzung der Absturzhöhe oder
  • 45° und 60° liegt und bei einer Absturzhöhe unter 5 m.

Wenn der Winkel 60° überschreitet oder bei Absturzhöhen über 5 m und einem 45° überschreitenden Winkel sind Seitenschutzsysteme aus Sicht der Norm als Schutzeinrichtung ungeeignet.

Die ÖNORM B 4007 legt für Gerüstbeläge von Fanggerüsten Leistungskriterien für die dynamischen Beanspruchungen fest, und zwar müssen sie folgenden Beanspruchungen standzuhalten:

  • Bei einer Höhe unter der Absturzkante von bis zu 2 m: 100 kg, 2,50 m
  • Bei einer Höhe unter der Absturzkante von bis zu 3 m: 100 kg, 3,50 m

Der Nachweis hat durch einen Fallversuch in Analogie zu ÖNORM EN 12810-2:2004 zu erfolgen. Zusätzlich muss bei Schutzdächern oder Fanglagen von Arbeits-, Schutz- und Passagengerüsten die Belagsdicke von Vollholzbelägen gemäß ÖNORM B 4007 ohne zusätzliche Verstärkung in Systemgerüsten bei Spannweiten über 2,0 m mindestens 45 mm zu betragen.

Für Dachfanggerüste wird in der ÖNORM B 4007 normiert, dass die Breite der Fanglage mindestens der Breitenklasse W06 nach ÖNORM EN 12811-1:2004 (60 cm ≤ w < 90 cm) entsprechen muss und der Abstand b zwischen Schutzwand und Absturzkante mindestens 0,70 m zu betragen hat.

Arbeiten an Dächern mit einer Dachneigung > 60°

Arbeiten auf Dächern, bei denen die Arbeitnehmer einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind, dürfen von einem Arbeitnehmer allein nicht ausgeführt werden (Alleinarbeitsverbot). Es muss zumindest ein zweiter Arbeitnehmer zur Überwachung und Sicherung eingesetzt sein. Die Arbeiten müssen von unterwiesenen, erfahrenen und körperlich geeigneten Arbeitnehmern durchgeführt werden. Dies gilt insbesondere für Arbeiten, für die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verwendet wird sowie für Arbeiten auf Dächern mit einer Neigung von mehr als 60°. In allen Fällen, bei denen PSA gegen Absturz zum Einsatz kommt, ist zu beachten, dass die Verordnung Persönliche Schutzausrüstung (PSA-V) einzuhalten ist. § 14 PSA-V „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, Ertrinken und Versinken“ regelt die Anwendung, Unterweisung, Prüfung und Übung für PSA gegen Absturz. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (Absturzsicherungssysteme) ist persönliche Schutzausrüstung zur Sicherung von Arbeitnehmer/innen an einem Anschlagpunkt. Bevorzugt sollten Absturzsicherungssysteme zum Einsatz kommen, die einen Absturz ganz verhindern (Haltesysteme). Für Absturzsicherungssysteme die Arbeitnehmer/innen sicher auffangen (Auffangsysteme) haben ArbeitgeberInnen für den Fall eines Absturzes durch geeignete Maßnahmen eine unverzügliche Rettung zu gewährleisten. Daraus resultiert zusätzlich ein Alleinarbeitsverbot bei Dacharbeiten mit PSA gegen Absturz. Des Weiteren muss die Unterweisung mindestens einmal jährlich nachweislich durch eine fachkundige Person erfolgen, die auch über das richtige An- und Ablegen von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz sowie die Durchführung von Berge- und Rettungsmaßnahmen mindestens einmal jährlich Übungen abhält. Die Gegenstände des Absturzsicherungssystems müssen entsprechend den Einsatzbedingungen und den betrieblichen Verhältnissen nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, auf ihren ordnungsgemäßen Zustand durch eine fachkundige Person geprüft werden und die Ergebnisse der Prüfungen in einem Prüfbefund festgehalten werden.

Gerade für Dächer mit einer Neigung von mehr als 60° sollten schon aus Gründen der Qualitätssicherung und der Wirtschaftlichkeit Alternativen überlegt werden. Ein sicheres Arbeiten ist bei einem Arbeits- bzw Standplatz auf einem so steil geneigten Dach fast nicht möglich. Nicht umsonst gibt es in der Schweiz die Regelung, dass bei Dächern mit einer Neigung über 60°, unabhängig von der Traufenhöhe, von Gerüsten, beweglichen Arbeitsbühnen oder gleichwertigen Vorrichtungen aus gearbeitet werden muss.

Für Zugänge und Arbeitsplätze gilt gem § 89 BauV, dass bei Arbeiten auf Dächern mit einer Neigung von mehr als 45° besondere Arbeitsplätze und Zugänge wie Dachdeckerstühle, Dachdeckerfahrstühle oder sicher befestigte Dachleitern, geschaffen werden müssen. Dachdeckerfahrstühle dürfen für Arbeiten an Türmen oder turmähnlichen Bauwerken verwendet werden. Dachleitern (Auflegeleitern aus Holz) dürfen höchstens 6,00 m lang sein. Zumindest zwei Anfangs- und zwei Endsprossen müssen durch geeignete Beschläge gesichert sein.

Arbeiten auf nicht durchbruchsicheren Dachflächen

Ein großes Problemfeld bei Arbeiten auf Dächern sind Dacheindeckungen die schon vor dem Einbau als nichtdurchbruchsicher galten oder im Lauf der Zeit durch Abwitterung nicht mehr durchbruchsicher sind. Oft kann dieser Mangel an der Oberseite der Dacheindeckung nicht erkannt werden und das Dach erscheint durchbruchsicher. Gerade in diesen Fällen ist eine gute sicherheitstechnische Arbeitsvorbereitung wesentlich. Ideal wäre, wenn schon in den Bauordnungen festgelegt würde, dass die Durchbruchsicherheit von Dächern bei Betreten durch ArbeitnehmerInnen gewährleistet sein muss.

Daher wäre aus Sicht des ArbeitnehmerInnenschutzes von Bedeutung, dass schon in den OIB (Österreichisches Institut für Bautechnik) Richtlinien, die der Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften in Österreich dienen, nur mehr durchbruchsichere Dacheindeckungen errichtet werden dürfen. OIB-Richtlinien werden vom Österreichischen Institut für Bautechnik nach Beschluss in der Generalversammlung herausgegeben und stehen damit den Bundesländern zur Verfügung. Die Bundesländer können die OIB-Richtlinien in ihren Bauordnungen für verbindlich erklären, was bereits in allen Bundesländern der Fall ist. Von den OIB-Richtlinien kann jedoch gemäß den Bestimmungen in den diesbezüglichen Verordnungen der Bundesländer abgewichen werden, wenn der Bauwerber nachweist, dass ein gleichwertiges Schutzniveau erreicht wird, wie bei Einhaltung der OIB-Richtlinien. Dies soll die notwendige Flexibilität für innovative architektonische und technische Lösungen sicherstellen.

In § 90 BauV werden die wesentlichsten Bestimmungen für das Arbeiten auf nicht durchbruchsicheren Dachflächen geregelt. Nicht durchbruchsichere Dachflächen dürfen nur betreten werden, wenn Sicherungsmaßnahmen gegen Durchbrechen getroffen sind. Geeignete Sicherungsmaßnahmen gegen Durchbrechen sind:

  1. Unterdachkonstruktionen, wie volle Schalung, Unterspanntafeln oder korrosionsbeständiges Maschendrahtgitter
  2. Lauf- und Arbeitsstege, wobei Lauf- und Arbeitsstege bei Dachneigungen bis 20° mit einer Breite von mindestens 50 cm verlegt sein müssen. Beträgt die Dachneigung mehr als 20°, müssen Lauf- und Arbeitsstege gegen unbeabsichtigtes Verschieben bzw Abrutschen gesichert sein. Sie müssen bei einer Dachneigung von mehr als 10° mit Trittleisten und bei einer Dachneigung von mehr als 30° mit Stufen versehen sein.
  3. Dachleitern

Der Absturz über die Traufe oder den Giebelbereich darf in dieser Betrachtung nicht vergessen werden. Dazu ist vor allem die Bestimmung des § 87 BauV zu berücksichtigen. Grundsätzlich dürfen bei Arbeiten auf Dächern bis zu einer Absturzhöhe von 3,00 m über die Traufe Absturzsicherungen, Abgrenzungen und Schutzeinrichtungen abweichend von § 7 entfallen, wenn die Arbeiten bei günstigen Witterungsverhältnissen sowie von unterwiesenen, erfahrenen und körperlich geeigneten Arbeitnehmern durchgeführt werden. In diesem Fall kann auch die Sicherung der Arbeitnehmer durch persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz entfallen, ausgenommen bei Arbeiten am Dachsaum und bei Arbeiten auf Dächern mit einer Neigung von mehr als 45°.

Für den Absturz in das Gebäudeinnere bei nicht durchbruchsicheren Dachflächen wird in Bauarbeiterschutzverordnung als Mindestanforderung festgelegt, dass bei einer Absturzhöhe ins Innere des Bauwerkes von mehr als 5,00 m, entsprechende Schutzmaßnahmen gegen Absturz zu treffen sind und zwar:

  1. Unterdachkonstruktionen (zB Schalung, Unterspanntafeln oder korrosionsbeständiges Maschendrahtgitter)
  2. Fanggerüste mit einem Gerüstbelag der dynamischen Belastungen widersteht und mit einer an der Außenseite angebrachten 50 cm hohen Blende versehen ist
  3. Auffangnetze die an tragfähigen Konstruktionen befestigt sind und eine Maschenweite von nicht mehr als 10 cm haben. Diese Auffangnetze müssen möglichst dicht unterhalb des absturzgefährlichen Arbeitsplatzes angebracht sein, wobei der Netzrand nicht tiefer als 6,00 m unter den absturzgefährlichen Arbeitsplätzen liegen darf. Die Netzränder müssen die absturzgefährlichen Arbeitsplätze waagrecht gemessen um mindestens zwei Drittel jenes Abstandes überragen, um den der Netzrand lotrecht unterhalb der absturzgefährlichen Arbeitsplätze liegt, mindestens aber um 1,50 m. Das Auffangnetz ist derart aufzuhängen, dass zwischen dem Netz und darunterliegenden festen Gegenständen ein ausreichend großer Sicherheitsabstand vorhanden ist, wobei auf den Durchhang Bedacht zu nehmen ist.
  4. Die Sicherung der Arbeitnehmer durch Absturzsicherungssysteme als persönliche Schutzausrüstung, wenn geeignete Anschlagpunkte zur Verfügung stehen

Der Gefahrenbereich unterhalb von nicht durchbruchsicheren Dachflächen muss entsprechend abgesperrt und durch Warnschilder gekennzeichnet sein. Dazu ist festzuhalten, dass der Einsatz von Auffangnetzen und PSA gegen Absturz nur möglich ist, wenn auch der entsprechend freie Raum unter der Absturzstelle vorhanden ist, damit ein sicheres Auffangen der Arbeitnehmer erfolgen kann. Für eine sicherheitstechnische Arbeitsvorbereitung ist eine Besichtigung der Verhältnisse im Vorfeld der Arbeiten unbedingt erforderlich. Nicht nur der Freiraum unter einer möglichen Absturzstelle ist zu gewährleisten, auch der sichere Anschlagpunkt (falls es überhaupt eine Möglichkeit gibt sich mit PSA zu sichern) muss vorher definiert werden und die erforderliche Tragfähigkeit haben. In der ÖNORM EN 795 „Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen“ (Ausgabe: 2012-10-15) werden verschiedene Einzelanschlagpunkte und Typen von Anschlageinrichtungen definiert. Der Inhalt dieser Norm bezieht sich auf Anschlagpunkte für deren Befestigung an der baulichen Einrichtung ein baulich verankertes Befestigungsmittel erforderlich ist, bis Anschlageinrichtungen deren Funktion ausschließlich auf ihrem Gewicht und der Reibung zwischen der Anschlageinrichtung selbst und der Fläche beruht.

Bei Ausführung von Maurer-, Verputz-, Gerüst- und ähnlichen Arbeiten auf nicht durchbruchsicheren Dachflächen, bei denen zu erwarten ist, dass durch die Art der Arbeiten größere Belastungen auftreten, müssen die Arbeitsplätze und Verkehrswege so hergestellt und gestaltet sein, als ob das Dach nicht eingedeckt wäre. Das bedeutet, dass diese Arbeitsplätze und Verkehrswege bei Absturzgefahr gem § 7 BauV mit den geeigneten Maßnahmen gegen Absturz gesichert sein müssen. Dazu zählen Absturzsicherungen gem § 8 BauV, Abgrenzungen gem § 9 BauV und Schutzeinrichtungen gem § 10 BauV.