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Dokument-ID: 830858 Roland Polacsek-Ernst | News | 03.05.2016

Psychische Belastungen in der Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution bringt große Veränderungen der Arbeitswelt mit sich. Die gesetzliche Einführung der Evaluierung psychischer Belastungen birgt die Chance, diese Veränderungen systematisch zu beobachten und aktiv zu gestalten.

Industrie 4.0 als Treiber sozialer Innovationen

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Unter dem Begriff Industrie 4.0 hat die deutsche Bundesregierung die Gestaltung der vierten industriellen Revolution aufgenommen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht dabei die Automatisierung der Produktion. In der technischen Entwicklung stehen Digitalisierung, Robotik und intelligente Produktion an vorderster Stelle. Die Liste der technischen Innovationen, die in den produktiven Regelbetrieb aufgenommenwerden sollen, könnte noch lange weitergeführt werden. Im Zusammenhang damit werden jedoch nicht nur technische, sondern auch soziale Innovationen erforderlich.

Soziale Unternehmensentwicklung ist heute essenziell

Soziale Innovationen werden nicht nur von technischen Entwicklungen angetrieben, sondern auch von neuen Vorstellungen der ArbeitnehmerInnen und KundInnen. Der jungen Generation der ArbeitnehmerInnen, den Millenials, wird unterstellt, dass sie andere Ansprüche an die Arbeitswelt haben. Beispielsweise wollen sie zunehmend selbst bestimmen, wann, wo und wie sie arbeiten, erwarten Zusammenarbeit auf Augenhöhe, kommunizieren über diverse neue Medien, suchen nach interessanter und gesellschaftlich bedeutungsvoller Arbeit, wollen bei ihrer Tätigkeit kreativ und innovativ sein und sich selbst verwirklichen. All das bietet die Industrie 4.0. Die soziale Innovation sollte daher auch zentraler Punkt bei der Weiterentwicklung von Produktionsunternehmen sein.

Da sich ArbeitnehmerInnen und KundInnen in Ihren Ansprüchen und Forderungen weiterentwickeln, sind Unternehmen gefordert, ein perfektes Arbeitsumfeld für solche Entwicklungen zu schaffen und sich aktiv daran zu beteiligen.

Evaluierung als Innovationspool und Maßnahmenkatalog

Einen Anhaltspunkt zur Beobachtung dieser Trends und einen Innovationspool für soziale Entwicklungen stellt die Evaluierung psychischer Belastungen (ASchG 2013/B-BSG 2014) dar. Ziel einer Evaluierung ist es, interne Stakeholder mit der Bandbreite psychischer Belastungen im Unternehmen in Kontakt zu bringen und den Verlauf dieser über eine systematische Beobachtung erlebbar zu machen. Darauf aufbauend werden in einem partizipativen Prozess mit den ArbeitnehmerInnen Schwerpunkte gesetzt, um negativen Auswirkungen gegen zu steuern. Das Belastungsspektrum der Verfahren erstreckt sich von Organisationsklima über Arbeitsabläufe, Tätigkeiten bis hin zur Arbeitsumgebung. Bereits heute sind Maßnahmen wie Führungskräfte- und Teamentwicklung, Prozessoptimierung und Arbeitszeitenflexibilisierung, Jobenrichment und Qualifizierungsmöglichkeiten sowie ergonomische Mitgestaltung und Optimierung der Mensch-Maschine-Kollaboration an der Tagesordnung.

Einige Industrieunternehmen haben diese Chance bereits erkannt und deshalb jährliche Evaluierungen der psychischen Belastungen als Meilensteine für eine humane Weiterentwicklung der Arbeitswelt 4.0 etabliert. Die Re-Evaluierungen in Unternehmen zeigen durchschnittliche Belastungsreduktionen um 10 %. Die Chancen für eine weitere Humanisierung im Rahmen der Industrie 4.0 waren noch nie so hoch wie jetzt.

Weitere Informationen

Polacsek-Ernst

Herr Mag. Polacsek-Ernst ist Arbeitspsychologe und Bereichsleiter der IBG – Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH in Wien. Die IBG ist mit über 165 MitarbeiterInnen die größte und erfolgreichste Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Österreich. Erklärtes Ziel ist es Betriebe und Organisationen auf gesunden Wegen zu mehr Produktivität zu begleiten.

www.ibg.co.at

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