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Dokument-ID: 755954 Gerhard Blasche | News | 23.04.2015

Gestaltung von Arbeitspausen im Betrieb

Gastautor Dr. Gerhard Blasche gibt in seinem Beitrag einen guten Kurzüberblick dazu, wie Sie in Ihrem Betrieb Erholungseffekte sowie Erhalt und Förderung der Leistungsfähigkeit Ihrer MitarbeiterInnen optimal fördern können.

Sowohl körperliche als auch geistige Arbeit geht mit Ermüdung einher. Ermüdung kann, vergleichbar dem Schmerz, als körperliches Warnsignal aufgefasst werden, um einer Fehlbeanspruchung des Organismus entgegenzuwirken.

Ermüdung geht mit

  • einer Zunahme des Widerwillens zu Fortsetzung einer bestimmten Tätigkeit,
  • einer Abnahme der Leistungsfähigkeit und
  • einer Zunahme der Fehler- und Unfallhäufigkeit einher.

Ermüdung ist somit ein wesentlicher Hemmfaktor der Produktivität, aber auch eine potentielle Quelle der Selbst- und Fremdgefährdung.

Das Ausmaß der Ermüdung ist eine Funktion von Arbeitsintensität und Arbeitsdauer. Größere Arbeitsintensität und/oder längere Arbeitsdauer gehen dabei mit größerer Ermüdung einher. Allerdings ist diese Zunahme der Ermüdung, insbesondere über einen Arbeitstag gesehen, nicht linear. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Fähigkeit von Individuen, die Leistungsfähigkeit trotz Ermüdung durch größere Anstrengung aufrechtzuerhalten. Dies ist in beschränktem Umfang möglich, führt allerdings zu beschleunigter Ermüdung durch die an den Tag gelegte kompensatorische Anstrengung.

Arbeitspausen als „Patentrezept“ gegen Ermüdung?

Ein wirksames Rezept gegen Ermüdung ist die Pause, also die Unterbrechung der jeweiligen Tätigkeit. Pausen führen zu einer Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und einem Abbau der Ermüdung und Unfallgefahr. Eine Pause ermöglicht dem Organismus eine Wiederherstellung der in Anspruch genommenen Ressourcen. Für die einzelne Pause gilt, dass das Abklingen der Ermüdung in einem Verhältnis zur Dauer der Pause steht, wobei der Ermüdungsabbau zu Beginn der Pause am größten ist. Weiters ist anzumerken, dass die pausenbedingte Erholung bei der Wiederaufnahme der Arbeit wieder abklingt, Erholung sich somit nicht speichern lässt. Insofern sind häufigere kürzere Pausen seltenen längeren Pausen vorzuziehen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das effektivste Pausenschema bei geistiger bzw leichter körperlicher Arbeit 5-10 Minuten pro Stunde, um Ermüdung aber auch mit der Tätigkeit in Beziehung stehenden körperlichen Beschwerden vorzubeugen. Bei schwerer körperlicher Arbeit sind häufigere Pausen vorzusehen. Eine Pause ist wirksamer, wenn ein Arbeitsabschnitt zuvor abgeschlossen werden konnte und wenn die Pause als Erholungsphase definiert und nicht durch eine ungewollte Arbeitsunterbrechung (z.B. Computerabsturz) bedingt ist. Es ist anzumerken, dass ein Arbeitender nicht erschöpft sein muss, bevor eine Pause angezeigt ist, Pausen dienen vielmehr der Erschöpfungsprävention.

Wenngleich einiges dafür spricht, dass Arbeitende ihre Arbeitspausen selber wählen, sind damit einige Nachteile verbunden. Arbeitende setzen Pausen oftmals eher zu spät bzw zu selten an und neigen dazu, Arbeitspausen überhaupt zu Gunsten von Tagesrandfreizeit zu streichen. Beide Tendenzen sind aus Sicht der Erholungsförderung ungünstig und deshalb zu vermeiden. Eine Lösung wäre ein Pausenschema, das eine Art „Pausengleitzeit“ zuließe und damit trotz Vorgabe einen gewissen Gestaltungsspielraum zuließe.

Steigerung der Pauseneffektivität

Zur Steigerung der Pauseneffektivität wäre es ideal, wenn

  • (a) Arbeitende ihren Arbeitsplatz verlassen könnten,
  • (b) die Pause an einen ruhigen, geschützten Bereich oder im Freien verbringen könnten und
  • (c) in der Pause unbehelligt entspannenden Tätigkeiten und/oder leichter körperliche Übungen durchführen könnten.

Sowohl körperliche Aktivität als auch Entspannungsübungen sind nachweislich erholungsfördernd.

Tätigkeitswechsel als Ermüdungsvorbeugung

Eine weitere Möglichkeit der Ermüdungsvorbeugung während der Arbeit ist der Tätigkeitswechsel. Hier gilt, dass die Wirkung eines Tätigkeitswechsels vom Ausmaß des Unterschieds zwischen den Tätigkeiten abhängt, dh je unterschiedlicher die Tätigkeiten, desto größer ist die Ermüdungsvorbeugung (etwa geistige Arbeit – manuelle Arbeit). Die Gestaltung des Tätigkeitswechsels kann analog zur Pausengestaltung erfolgen, nur dass der Alternativtätigkeit selbstverständlich länger nachgegangen werden kann als eine Pause dauert.

Dennoch gilt, dass der Tätigkeitswechsel die Pause nicht ersetzen kann, sondern ergänzen, da der Erholungswert der Pause jenem des Tätigkeitswechsels deutlich übertrifft.

Autor

Dr. Gerhard Blasche

Institut für Umwelthygiene am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien

Kinderspitalgasse 15, 1090 Wien
E-Mail: gerhard.blasche@meduniwien.ac.at
Homepage: www.blasche.at

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