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WEKA (msi) | News | 24.11.2022

Brandschutz bei E-Fahrzeugen in Park- und Tiefgaragen

Elektrofahrzeuge erfreuen sich aufgrund ihrer besseren Umweltfreundlichkeit immer größerer Beliebtheit. Doch was bedeutet die zunehmende Verbreitung der E-PKWs in Park- und Tiefgaragen für den Brandschutz?

Bei der diesjährigen FSE Brandschutzfachtagung in der Fachhochschule St Pölten war der Vortrag von Rajko Rothe von der IFAB (Ingenieure für Angewandte Brandschutzforschung) die am stärksten besuchte Veranstaltung. Auch für den Brandschutz ist die zunehmende Verbreitung von E-Fahrzeugen von Relevanz, sind doch die in diesen enthaltenen Lithium-Ionen-Batterien dafür bekannt, sich selbst entzünden und für beachtliche Brände sorgen zu können.

Problematisch ist bei Lithium-Ionen-Batterien die abrupte Freisetzung von gespeicherter Energie in großen Mengen. Die daraus resultierenden hohen Temperaturen sorgen für die Entzündung einzelner Zellen, die sich rasch auf die Umgebung ausweiten.

Versuche mit Lithium-Ionen-Akkus

Folgende Erkenntnisse für den Brandschutz in Garagen ergeben sich aus Rajko Rothes Versuchen mit Lithium-Ionen-Akkus:

  • Brände mit Elektro-Autos unterscheiden sich hinsichtlich der Energie- und Stoff-Freisetzung nicht wesentlich von Bränden mit Verbrennerfahrzeugen
  • Die Brandwahrscheinlichkeit ist dank der Batterieüberwachung und der daraus resultierenden Möglichkeit zu frühzeitigem Einschreiten (im Kontrast zu Fällen mit unbewachten Batterien) gering
  • Den Ladevorgängen der Lithium-Ionen-Akkus ist eine potenziell erhöhte Brandgefahr zuzuschreiben, dies gilt es in Zukunft aber durch Erfahrungswerte mit vielzähligen Brandereignissen zu verifizieren
  • Abbrennende Elektrolytstahlen und herumfliegende Teile sind eher seitlich und in Bodennähe zu erwarten, da sich die Lithium-Ionen-Batterien in PKW eher im Fahrzeugboden und/oder hinteren Fahrzeugteil befinden
  • Es ist anzunehmen, dass eine Batterie das Fahrzeug als Initialereignis zuverlässig entzündet
  • Eine Gefahr für flüchtende Personen besteht auch im Falle der Nichtentzündung aufgrund der toxischen Eigenschaften des austretenden Elektrolyts
  • Unter Parkgaragenbedingungen ist die Branderkennung durch konventionelle Branderkennungsmaßnahmen möglich, sofern sich der ausströmende Elektrolyt entzündet und sich Rauchgase mit hoher Geschwindigkeit und in hoher Intensität ausbreiten
  • Es besteht die technische Möglichkeit zur Brandfrüherkennung, dh Erkennung vor dem Platzen der ersten Zelle. Bis dato kommt dies in serientauglicher und zulassungsreifer Lösung jedoch noch nicht vor.

Fazit

In Abhängigkeit der gewählten Schutzziele können verschiedene Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes verwendet und miteinander kombiniert werden. Ein Großteil der bekannten Methoden des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes kann auch bei Elektro-PKW-Bränden eingesetzt werden, besonders bei baurechtlichen Schutzzielen. Derartige Brandschutzkonzepte unterscheiden sich nicht von den bisherigen Konzepten für Parkgaragen.

Quelle: Tagungsband FSE Fachtagung 2022; www.fse.at