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WEKA (msi) | News | 22.11.2022

Lagerung brennbarer Flüssigkeiten: Neue VbF im Vergleich zur VbF 1991

Die neue Verordnung über brennbare Flüssigkeiten (VbF) bringt im Vergleich zur VbF 1991 wichtige Änderungen, die einerseits Erleichterungen, andererseits Anpassungskosten für die Betriebe bedeuten.

Erfahren Sie im Folgenden alles Wichtige über den Stand der Verlautbarung, Besonderheiten im Vergleich zur alten VbF 1991, neue Möglichkeiten der Zusammenlagerung und über die Lagerung im Sicherheitsschrank.

Status quo: Wann kommt die neue VbF?

Aktuell befindet sich die neue VbF nach wie vor im Entwurfsstadium. Als Stand der Technik wird sie aber bereits mit Hilfe von Ausnahmezulassungen angewendet, was dadurch ermöglicht wird, dass es sich bei der derzeit noch geltenden VbF 1991 um eine ausnahmefähige Verordnung handelt.

Der bereits einsehbare Notifikationsentwurf der neuen VbF (https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/tris/de/search/?trisaction=search.detail&year=2022&num=13) kann bereits als maßgeblich betrachtet werden, da mit größeren inhaltlichen Änderungen voraussichtlich nicht mehr zu rechnen ist. Die Übergangsfristen sind hingegen möglicherweise noch Änderungen unterworfen.

Besonderheiten im Vergleich von alter und neuer VbF

  • Wassermischbarkeit als Stoffeigenschaft dient in der neuen VbF nicht mehr als Einteilungskriterium.
  • Der Begriff der „besonders gefährlichen brennbaren Flüssigkeiten“ fehlt in der neuen VbF (eine Ausnahme bildet §12).
  • Aktive und passive Lagerung wurden als neue Begriffe eingeführt. Aktive Lagerung bedeutet Entnahme bzw Befüllung am Lagerort, zeitweilige Öffnung. Passive Lagerung bedeutet ständig dicht verschlossener Behälter.
  • Die neue VbF beschränkt sich auf brennbare Flüssigkeiten bis maximal Flammpunkt Fp 60 °C. In der VbF 1991 sind hingegen brennbare Flüssigkeiten bis zu einem Flammpunkt Fp 100 °C inkludiert.
  • Die VbF 1991 ist die einzige österreichische Vorschrift zur Lagerung von brennbaren flüssigen Peroxiden. Mit dem Außerkrafttreten verschwindet diese Regelung.

  1. Nun gilt ausschließlich nach Stand der Technik die DGUV Vorschrift 13 „Organische Peroxide“ für Einteilung und Lagerung.
  • Chronische Gefahren (Gesundheitsgefahren) werden in der neuen VbF als Zusammenlagerungsbestimmung aufgenommen, in Anlehnung an TRGS 510. (Bisher waren für die Lagerung nur physikalische Eigenschaften entscheidend.)

Neue Möglichkeiten der Zusammenlagerung

Die neue VbF erweitert die Möglichkeiten der Zusammenlagerung. Die Bestimmungen orientieren sich größtenteils an der TRGS 510 [18], Abweichungen betreffen zB die Zusammenlagerung mit Propan und Butan. Ebenfalls nicht von der TRGS 510 übernommen wird die Einteilung in Lagerklassen.

Die Zusammenlagerung mit Aerosolen ist laut der neuen VbF auch in Sicherheitsschränken erlaubt, wobei Aerosole der Gefahrenkategorie 2 gleichzusetzen sind.

Lagerung im Sicherheitsschrank

Lagerung in Sicherheitsschränken gem § 9 der neuen VbF: Als Sicherheitsschrank gelten ortsfeste Schränke mit höchstens 1 m³ Inhalt, die

  • ausschließlich zur Aufbewahrung von brennbaren Flüssigkeiten dienen,
  • bei einem Brand für 90 Minuten sicherstellen, dass das Schrankinnere keine zusätzliche Gefährdung darstellt oder eine weitere Brandausbreitung verursacht
  • Türen besitzen, die selbsttätig schließen und versperrt werden können (eine zusätzliche thermische Steuerung des Türschließmechanismus ist zulässig, die ein sofortiges Schließen der Türen jedenfalls dann gewährleistet, wenn die Umgebungstemperatur 50 °C überschreitet),
  • mit an ein Lüftungssystem anschließbaren Zu- und Abluftöffnungen versehen sind, die im geschlossenen Schrank einen mindestens zehnfachen Luftwechsel pro Stunde ermöglichen und die sich im Brandfalle selbsttätig schließen, und
  • im Inneren mit einer unterhalb der untersten Stellfläche angebrachten Auffangwanne ausgestattet sind, die aus nichtbrennbarem Material besteht und ein Fassungsvermögen von mindestens 10 Litern aufweist.

Ist es nicht oder nur mit sehr großem Aufwand möglich, den Sicherheitsschrank an eine Absaugung anzuschließen, gibt es die Möglichkeit, ihn mit einem Filteraufsatz im Umluftbetrieb auszustatten: siehe den betreffenden Erlass GZ: BMASK-461.308/0008-VII/A/2/2013 der Arbeitsinspektion.

Quelle: Explosionsschutz Print + OnlineBuch (weka.at)