Dokument-ID: 932273

WEKA (ato) | Judikatur | Leitsatz

Zum Schimmel in der Wohnung wegen Sommerkondensat

Geschäftszahl

OGH vom 04.05.2017, 5 Ob 42/17p

Norm

§§ 922 ff ABGB

Leitsatz

Quintessenz:

Eine Wohnung, bei der die Schimmelbildung nur dadurch beseitigt werden kann, dass die Raumtemperatur im Sommer durch Beheizen so warm gehalten wird, dass es nicht zu einem Absinken der Oberflächentemperatur der Wände und des Bodens auf eine Temperatur niedriger als Außentemperatur kommt, stellt eine mangelhafte Leistung dar.

OGH: Ein Kaufgegenstand muss der Natur des Geschäfts sowie der geschlossenen Verabredung entsprechend benützt und verwendet werden können. Im Falle einer zum Zweck des Wohnens verkauften Wohnung bedeutet das – mangels abweichender Vereinbarungen –, dass diese grundsätzlich bei Zugrundelegung eines allgemein üblichen Wohnverhaltens bewohnbar sein muss, ohne bereits dadurch nachhaltigen Schimmelbefall erwarten zu müssen.

In casu entstand der Schimmel in der Wohnung aufgrund ihrer Lage durch das Phänomen des Sommerkondensats, das dann auftritt, wenn im Sommer sehr warme Luft von außen hereinkommt und an den innen kälteren Wänden kondensiert. Um die Schimmelbildung dauerhaft zu verhindern, müsste die Raumtemperatur durch Beheizung der Wohnung selbst im Sommer vorsorglich so warm gehalten werden, dass es nicht zu einem Absinken der Oberflächentemperatur der Wände und des Bodens auf eine Temperatur komme, die niedriger als die Außentemperatur ist. Dies ist nach Ansicht des OGH unzumutbar. Der Wohnung fehlte somit eine gewöhnlich vorausgesetzte Eigenschaft, es wurde mangelhaft geleistet.

Auch der Umstand, dass die Wohnung als „unsaniert“ erworben wurde, vermochte im vorliegenden Fall nicht zu rechtfertigen, dass der Kläger mit nachhaltiger Schimmelbildung in der Wohnung auch bei „üblichem“ Bewohnen rechnen müsste. Im Gegensatz zu der Fallkonstellation in der Entscheidung des OGH vom 28. September 2016, 7 Ob 156/16s, war dem Kläger die Schimmelbildung vor dem Kauf nicht bekannt.

Entscheidungen