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Dokument-ID: 847098 Ulrich Wanderer | News | 04.08.2016

Kollateralvorteile der Mediation – Anwendbarkeit bei Nachbarschaftskonflikten

Gastautor Mag. Ulrich Wanderer, Mediator in Wien und Kärnten, erläutert, warum Mediation bei Streitigkeiten unter Nachbarn auch dann gefruchtet haben kann, wenn es dadurch vorerst zu keiner Einigung kam. Worauf ist bei der Mediation zu achten?

Oft hilft Mediation, darüber besteht kein Zweifel. Oft können Missverständnisse aufgeklärt, können Probleme besprochen und im besten Falle Nachbarn zu Freunden werden. Oft, allerdings nicht in jedem einzelnen Fall. Manchmal werden Termine abgesagt, gelegentlich wird eine Mediation auch abgebrochen oder die Parteien kommen schlicht zum Ergebnis, keine Einigung zu finden. Ist in diesen Fällen die Mediation gescheitert? Ist sie gar sinnlos gewesen?

Keineswegs

Im Gegensatz zu einem verlorenen Gerichtsprozess besteht nach einer Mediation auch weiterhin eine große Wahrscheinlichkeit, dass entstandene Kontakte weiterhin genutzt werden. Denn, während im Gerichtssaal rein die rechtliche Ebene betrachtet wird, so wird im Rahmen der Mediation der Fokus auf die Bedürfnisse und Motive der Medianden gerichtet. Dieses Eingehen auf die höchstpersönlichen Wünsche und Anliegen der Medianden ebnet auch den Weg für eine Gesprächsbasis der Parteien abseits der Mediation.

Ventilfunktion der Mediation

Auch hat sich in der Praxis gezeigt, dass auch schon alleine die Tatsache, dass sich ein Dritter der Thematik annimmt und somit den Parteien signalisiert, sie in ihrem Leidensdruck auch ernst zu nehmen, eine Ventilfunktion hat. Diese kann auch dazu dienen, den Konflikt etwas zu deeskalieren und so durch die gewonnene Zeit auf neue Gespräche zwischen den Hausparteien zu setzen.

Mediation durch Nicht-Mediatoren

Der Prozess der Mediation erschöpft sich nicht zwingend in jenen Sitzungen, die gemeinsam mit einem/r oder mehreren MediatorInnen in deren Praxisräumlichkeiten abgehalten werden, sondern geht auch darüber hinaus. Mediierende Funktion kann auch ein anderer Nachbar, kann das schwarze Brett oder sogar auch die Zeit schlechthin haben. Wichtig ist die Einleitung der Mediation durch eine der beiden Seiten, oder, wie manchmal auch durch den Hausverwalter.

Die wesentliche Entscheidung

Eine der wesentlichsten Entscheidungen seitens der Medianden im Rahmen des Mediationsprozesses ist es, auf eine selbstbestimmte Lösung des Konfliktes zu vertrauen und die Konfliktlösungskompetenz nicht an eine außenstehende Instanz zu delegieren. Ist diese Entscheidung einmal getroffen so ist grob gesprochen der weitere Fortgang der Mediation zweitrangig. Nachdem sich der Mediator ohnehin nicht als Quelle der Weisheit versteht, sondern vielmehr den Konfliktlösungsprozess moderiert, kann man den Medianden in konsequenter Fortführung dieses Gedankens auch insofern vertrauen, als sie auch ohne formelle Mediation zu einer guten Lösung ihrer Thematik kommen können.

Keineswegs soll diese Überlegung jedoch den Mediator als Fachmann der Konfliktlösung aus der Pflicht nehmen, vielmehr sollen nur die Möglichkeiten aufgezeigt werden, die auch für den Fall bestehen, dass die formelle Mediation nicht weiter betrieben werden kann.

Anwendung bei Nachbarschaftskonflikten

Das Wissen um diese Mechanismen kann insbesondere im Bereich der Nachbarschaft von Diensten sein, nachdem eine von Stress und Furcht geprägte Nachbarschaft einerseits einen immensen Leidensdruck schafft, andererseits jedoch die Betroffenen oft darunter leiden, in ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen zu werden. Hier ist es nicht relevant, ob die Ruhestörung durch Lärmeinwirkungen im Rahmen der Nachtruhe oder sonstiger Übertretungen der Ortsüblichkeit empfunden wird, sondern auf die rein subjektive Einstellung der betroffenen Parteien zueinander. Und diese kann schon mit der ersten Kontaktaufnahme des Mediators verändert werden, umso mehr mit jedem Gespräch, das im Rahmen des Mediationsprozesses stattfindet. Ein schriftlicher Vertrag wäre zwar lege artis, doch conditio sine qua non für eine Verbesserung der Lage ist er nicht. Die Chemie zwischen den Nachbarn ist vielschichtig, genauso wie die Möglichkeiten, sie in irgendeiner Form zu verbessern.

Erfahrung macht gute Mediatoren

Je entspannter daher die Herangehensweise an die Mediation seitens der Parteien und auch des Mediators ist, desto größer bleibt auch das Spektrum der Lösungsmöglichkeiten. Daher ist bei der Wahl des Mediators auch dessen Erfahrung im Bereich der Nachbarschaftsthematik ein wesentlicher Faktor.

Autor

Mag. Ulrich Wanderer

Geboren 1971 in Wien, arbeitet als Jurist und Mediator in Wien, Kärnten und Niederösterreich

Hauptaufgabengebiete als Mediator: Familienmediation, Nachbarschaftsmediation, Arbeitsplatzmediation

Herausgeber des Handbuch Mediation (WEKA Verlag)

www.mediation-wanderer.at


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